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Arbeitnehmer müssen dem Chef ihre Handynummer nicht mitteilen

Ständige Erreichbarkeit

Arbeitnehmer müssen dem Chef ihre Handynummer nicht mitteilen

Ständige Erreichbarkeit verursacht Stress und lässt Angestellte kaum zur Ruhe kommen. In einem aktuellen Fall aus Thüringen hat sich das Landesarbeitsgericht nun für den Schutz der Arbeitnehmer ausgesprochen und eine Auskunftspflicht über die private Handynummer untersagt.

Wie das Handelsblatt berichtet, waren Angestellte des kommunalen Gesundheitsamtes im Landkreis Greiz (Thüringen) von ihrem Vorgesetzten abgemahnt worden, weil sie ihre persönliche Handynummer nicht preisgeben wollten. Der Chef verlangte aber die Herausgabe, um sie in Notfällen griffbereit zu haben und die Kollegen im Bereitschaftsdienst nicht nur unter der bekannten Festnetznummer erreichen zu können. Die Betroffenen weigerten sich und bekamen dafür einen Vermerk in ihrer Personalakte. Daraufhin reichten sie Klage ein – und gewannen.

Handynummer bleibt privat

Das Landesarbeitsgericht Thüringen hat laut Handelsblatt zugunsten der Mitarbeiter entschieden. Der Arbeitgeber muss nun die Abmahnung seiner Angestellten wieder aus der Personalakte entfernen. Richter Michael Holthaus argumentierte, dass der Chef die ständige Erreichbarkeit seines Arbeitnehmers ausnutzen könne und so der Betroffene niemals richtig zur Ruhe komme – allein schon in dem Wissen, jederzeit mit einem Anruf rechnen zu müssen.

Der Richter sah dadurch einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte gegeben, der nicht zu rechtfertigen sei. Nur in ganz bestimmten Fällen, nämlich dann, wenn sich die Arbeit sonst nicht anders sinnvoll organisieren ließe, seien Ausnahmen gestattet.

Schutz des Arbeitsnehmers hat oberste Priorität

Mit seiner Entscheidung hat das Landesarbeitsgericht Thüringen das Urteil des Arbeitsgerichts Gera aus dem Jahr 2017 bekräftigt. Gleichzeitig verdeutlichte es anschaulich, welches Gewicht der Datenschutz auch in der Arbeitswelt hat.

Das Gericht des Freistaates ließ gegen sein Urteil keine Revision vor dem Bundesarbeitsgericht zu.

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Autor: Theresa Hannebauer